Hoffnungs-Bildwort

Liebe Mitchristen,
wir werden in der kommenden Zeit immer wieder Bilder und Worte der Hoffnung veröffentlichen. Denn in der Krise, durch Corona hervorgerufen, sind die Kirchen weitgehend geschlossen. Das ist deswegen schwierig, weil gerade in dieser Zeit das Wort Gottes Trost und Kraft geben sollte. Die Bilder, die wir hier veröffentlichen, können kein Ersatz dafür sein, sollen aber doch das Evangelium, die frohmachende Botschaft Gottes in Jesus Christus, weitertragen. Wir freuen uns, wenn viele von Ihnen mitmachen und uns dazu Bilder und Beiträge schicken.Pfarrerin Margarete Goth (margarete.goth@elkw.de)Pastor Diederich Lüken (diederich.lueken@t-online.de).

Hoffnungs-Bildwort

Eine Eiche wächst heran

Eine neue Eiche wächst aus einer Eichel.

Hoffnungsgeschichten in schwieriger Zeit
Liebe Schwestern und Brüder!
Ich habe einmal nachgeschaut. Das Wort „Hoffnung“ kommt vom mittelniederdeutschen „hopen“ das bedeutete „hüpfen“ und „vor Erwartung unruhig springen“. Hoffnung ist demnach eine positive Erwartungshaltung, dass etwas Wünschenswertes eintreten wird. Es besteht aber nicht wirklich Gewissheit, dass dies der Fall sein wird. Wer hoffen kann ist optimistisch, blickt positiv in die Zukunft. Hoffnung ist eine der drei christlichen Tugenden. Glaube, Liebe und Hoffnung!
Das Gegenteil von Hoffnung ist Verzweiflung, Resignation und Depression.
Nein! Ich will mich auch in dieser Zeit, in der das Coronavirus scheinbar die ganze Welt verändert nicht in Resignation begeben. Ich will an der Hoffnung festhalten. Und ich will glauben, dass jede und jeder Einzelne etwas dazu beitragen kann.
Ich habe eine persönliche Hoffnungsgeschichte, die mich und hoffentlich auch meine Schülerinnen und Schüler immer wieder aufs Neue inspiriert. Diese Geschichte will ich mit Ihnen teilen.
Diese Geschichte stammt vom französischen Schriftsteller Jean Giono. Er erzählt, dass er kurz vor dem ersten Weltkrieg eine einsame Fußwanderung durch einen Höhenzug der Alpen unternahm. Die ganze Gegend war karg, eine richtige Einöde. Er fand verlassene Bergdörfer aber kein Wasser. Zufällig traf er einen Hirten, der ihm Wasser gab und ihn zum Übernachten in sein einfaches Steinhaus mitnahm. Der Hirte, hatte sich nach dem Verlust seiner Familie in die Einsamkeit zurückgezogen, er bezog sein Wasser aus einer tiefen Zisterne und versorgte seine Schafe. Am Abend beobachtete Jean Giono etwas Sonderbares. Elzéard Bouffier, so hieß der Mann, sortierte 100 Eicheln sorgfältig und tat sie in einen Sack. Am anderen Morgen tränkte der Hirte den Sack mit Eicheln in einem Eimer Wasser, trieb seine Herde auf die Weide und pflanzte die 100 Eicheln in den kargen Boden. Da Jean keine Eile hatte und außerdem neugierig geworden war, fragte er nach. Elzéard erzählte ihm, dass er in den vergangenen 3 Jahren bereits 100 000 Eichen gepflanzt hatte. Er war auf die Idee gekommen, da die Gegend so karg war. Vermutlich war sie von Köhlern in den vergangenen Jahrzehnten abgeholzt worden. Von den Eichen würden wohl nur 10% überleben. Es blieben also immer noch 10000 Eicheln, die hervorsprossen, da wo es vorher nichts gegeben hatte.
Dann kam der Krieg, den Jean als Soldat erlebte. Diese Zeit hatte ihn natürlich getroffen und nach mehr als fünf Jahren, besuchte er den Hirten erneut. Elzéard Bouffier hatte sich nicht um den Krieg gekümmert und auch nicht viel mitbekommen. Er hatte nur noch vier Schafe, dafür aber 100 Bienenstöcke. Inzwischen hatte er Baumplantagen angelegt. Die ersten Eichen waren schon 10 Jahre alt. Buchen und Birken waren dazugekommen und der Wald maß in drei Abteilungen schon elf mal drei Kilometer. Es war für Jean Giono ein wundervoller Anblick. Und als er die verlassenen Dörfer besuchte, sah er Wasser, die alten Bachbetten durchfließen. Gras wuchs überall, Weiden und Blumen. Er sah eine großartige Kettenreaktion.
Von 1920 an besuchte der Schriftsteller den alten Mann jährlich. Er war immer der gleiche, nie gebeugt oder zweifelnd. Vielleicht hatte ihn Gott selbst dazu veranlasst, Bäume zu pflanzen.
Auch der Zweite Weltkrieg ging am „Mann der Bäume pflanzte“ vorbei, während die Welt sich zerstörte pflanzte er beharrlich weiter. Das letzte Mal sah Jean Elzéar im Jahr 1945. Da war er 87 Jahre alt und sein Wald inzwischen auf gut 30 Kilometer Länge angewachsen.
Alles hatte sich inzwischen verändert. Es gab eine neue Busverbindung, in die inzwischen wieder bewohnten Dörfer. Neue Häuser waren gebaut worden, die Kapelle restauriert. Wiesen, Bäche, Brunnen, Bäume – und alles war in diesen kleinen Eicheln angelegt, die Elzéard Bouffier in die Erde gesteckt hatte. Und Jean Giono schließt mit folgenden Worten: „Es hatte genügt, um aus einer Wüste ein „Gelobtes Land“ entstehen zu lassen, und es erfüllt mich eine unbegrenzte Hochachtung vor diesem alten Bauern, der dieses Werk zu schaffen wusste, das Gott würdig ist.“

Ich finde diese Geschichte großartig. Und, ich habe in unserem, vom Sturm und Borkenkäfer verwüsteten, Waldstück angefangen, verschiedene Bäume zu pflanzen.  In der Hoffnung, dass zukünftige Generationen einen neuen, intakten Wald vorfinden.
Lasst uns gemeinsam, beharrlich und optimistisch kleine Dinge tun, um unsere Gemeinde und die Gesellschaft zu verändern. Wie im Gleichnis vom Senfkorn, wo aus dem kleinsten Samenkorn ein Strauch wächst, in dem sogar die Vögel Heimat finden.
Ich wünsche uns allen Gottes reichen Segen und bleiben Sie behütet
Hans-Martin Hauch